| Guten Tag aus Tbilissi,
am Vorabend der georgischen Prlamentswahlen beschäftigen
wir uns ausführlich mit dem wichtigsten Ereignis des Jahres.
In der Background-Leiste bieten wir Ihnen alle wichtigen Dokumente,
allerdings nur in Englisch: das Wahlgesetz,
das Instruktionshandbuch
für die Wahlkommissionen in den Wahllokalen und ein Frage-
und Antwort-Katalog zum Wahlrecht. Damit bieten wir Ihnen
alle notwendigen Informationen zu einem Thema, das in den georgischen
Medien mehr als oberflächlich, dafür aber um so kontroverser
behandelt wird.
Das kann am besten am Beispiel der öffentlichen
Erregung um die Wählerlisten dargestellt werden. Während
sich die Parteien gegenseitig mit dem vorsorglichen Vorwurf der
Wahlmanipulation beharken, haben wir einmal genauer nachgefasst
und können Ihnen zeigen, dass wirklich eine Menge getan wurde,
um grossformatige Wahlfälschungen, wie sie in der Vergangenheit
üblich waren, zu vermeiden. Die Wahl 2003 dürfte, nach
allem, was man bis jetzt erkennen kann, einigermassen sauber abgewickelt
werden. Die Voraussetzungen jedenfalls wurden mit internationaler,
vor allem amerikanischer Hilfe geschaffen. Dass sich die USA dabei
immer mehr zum Praeceptor Georgiens aufschwingen,
soll nicht verschwiegen werden. Natürlich war auch die Europäische
Union zu einer Vorwahl-Inspektion in Georgien und hat die Regierenden
zu einem fairen Wahlverfahren ermuntert. Die Medienpräsenz
des amerikanischen Botschafters allerdings ist mehr als auffällig.
Natürlich ist es etwas riskant, schon vor den Wahlen
eine Analyse zu wagen. Wir wollen es trotzdem, weil wir, unabhängig
vom Ausgang des Urnengangs, Ihnen ein paar Hinweise auf die wirkliche
Bedeutung dieser Wahlen geben wollen. Das, was die Parteien an
Wahlkampf bieten, ist allerdings kaum dazu angetan, die wirklichen
politischen Hintergründe im Lande aufzuhellen. Aber das soll
ja auch in gestandenen Demokratien, die sich hierzulande mehr
oder weniger laut mit Ratschlägen zu Wort melden, gelegentlich
vorkommen. Dazu nochmal die Informationen über die zugelassenen
Wahlvorschläge. Die Kandidaten für die Direktmandate
haben wir bis heute leider noch nicht erhalten, ebensowenig die
versprochenen Presseausweise für die Wahlen. Die Central
Election Commission - CEC - wartet bis heute noch darauf, dass
ihr der Finanzminister die erforderlichen Mittel für diese
Wahl zur Verfügung stellt. Wie gut, dass die USA wenigstens
die Erstellung der Wählerlisten finanziert haben. Bei aller
Distanz, den der amerikanische Einfluss hier im Kaukasus gelegentlich
hervorrufen muss, ohne USAID und die Washingtoner IFES - International
Foundation for Election Systems - sähe es um die Parlamentswahl
in Georgien düster aus. Präsident Schewardnadse hat
übrigens schon vor Wochen ein Dekret unterzeichnet, wonach
die CEC mit den entsprechenden Finanzmitteln auszustatten wäre.
Soviel zum Thema Präsidial-Dekrete in Georgien. Hoffentlich
kommt das Geld noch rechtzeitig, damit die Wahlzettel gedruckt
und ausgeliefert werden können.
Manchmal hilft der Blick über den Zaun zum Nachbarn. In
Armenien haben wir in der vergangenen Woche ein Projekt der deutschen
Entwicklungszusammenarbeit besucht, das einmalig zu sein scheint.
Es geht um ein klein formatiertes und direkt wirkendes Projekt
zur unternehmerischen Selbsthilfe in
den beiden Städten Gjumri und Stapanavan, die vor jetzt über
15 Jahren von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht wurden.
Mit Kleinkrediten hat die GTZ dort vielen Menschen geholfen, eine
Existenz aufzubauen und darüberhinaus Arbeitsplätze
für andere anzubieten. Zur Nachahmung auch andernorts, ohne
den Katalysator Erdbeben, wärmstens empfohlen, meinen wir.
Der deutsche Volkshochschulverband bemüht sich seit einiger
Zeit um die Förderung der Erwachsenenbildung in Georgien.
In diesen Tagen werden zum zweiten mal Tage
der Erwachsenenbildung veranstaltet. Wir informieren Sie gerne
über das Programm und werden uns rechtzeitig vor der grossen
GUS-weiten Konferenz zum Thema Erwachsenenbildung noch einmal
um diese Fragen kümmern.
Bei soviel trockener Lektüre haben wir die schönen
Fotostrecken vom Jugendstil in Georgien
und das fotografische Reisetagebuch von
Christoph Müller einfach noch einmal im Angebot belassen.
Ein bisschen was fürs Auge wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.
Da kann man auch ein zweites Mal reinschauen.
In zwei Wochen melden wir uns wieder mit den letzten Informationen
vor der Parlamentswahl. Und dann soll hierzulande ja alles ganz
anders werden.
Viele Grüsse aus dem Kaukasus
Rainer Kaufmann
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